Hanf hat so viel mehr zu bieten

Die Hanfplanze - Eine Pflanze stellt sich vor

starke hanseile für die Schifffahrt

Hanf, auch Cannabis genannt, ist eine zu der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) gehörende Pflanzengattung. Als diözische, d.h. zweihäusige Pflanze weist sie getrennt wachsende weibliche und männliche Blüten auf, nur in seltenen Fällen kommen in der Natur auch einhäusige Arten vor. Die Blätter der Hanfpflanze setzen sich aus mehreren Blättchen zusammen, die als handförmig zusammengesetzt (palmat oder digitat) kategorisiert werden. Die Blättchen wachsen am unteren Teil der Sprossachse gegenständig (gegenüberliegend), nach oben hin wechselständig (einzeln). Hanf wächst bis zu sieben Meter hoch, die Wurzeln der windbestäubten Pflanze können fasst anderthalb Meter tief in die Erde dringen. Die einjährige Pflanze hat zwar eine feste Vegetationsperiode, da diese jedoch bei der zweihäusigen Art differiert und die männlichen Blüten früher geerntet werden müssen, wurden zugunsten maschineller Ernte zunehmend einhäusige Exemplare gezüchtet.

Die Geschichtes des Hanfes

Hanf zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Die Geschichte der Hanfpflanze beginnt vor ca. 10.000 Jahren in China und Persien, wo Hanf als Getreide angebaut wurde. Die Menschen aßen die nahrhaften Hanfsamen, trugen Kleidung aus Hanffasern und stellten Papier her aus Hanf. Durch jahrtausendelange Verbreitung kommt Hanf mit Ausnahme arktischer Gebiete in allen Klimazonen der Erde vor. Die lange Geschichte ihrer Kultivierung ist in der universalen Nutzbarkeit begründet, die Hanf zu einer der wichtigsten Kulturpflanzen überhaupt gemacht hat. Das Hanföl, dessen kosmetischer Gebrauch schon in der Antike bekannt war und heute Bestandteil diverser Lebensmittel und anderer ölbasierter Produkte bildet, vor allem aber die Hanffaser (Cannabis sativa), die durch ihre Widerstandsfähigkeit als Textil- oder Baumaterial genutzt wird, verweisen auf das breite Anwendungsspektrum. Kaum eine andere Pflanze hat so reißfeste Fasern wie die Hanfpflanze. Daher wurden Taue und Segel für die Schifffahrt aus Hanf gefertigt, da sie jedem Sturm standhalten konnten. Die Blüten der Hanfpflanze benutzten die Menschen zur Heilung und Linderung vieler Krankheiten. Hanf wurde auch in Europa als Medizin verwendet.

Im Mittelalter lobte die bekannte Heilerin Hildegard von Bingen die Kraft des Hanfs. Nicht nur die vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten der Hanfpflanze sorgten für ihren Siegeszug.

historisches Hanfmotiv

Auch der Anbau des Hanfs bietet viele Vorteile: Hanf ist äußerst genügsam, wächst auch auf nährstoffarmen Böden und zeichnet sich durch einzigartige Resistenz gegen Schädlinge aus. Da die Pflanze innerhalb von 120 Tagen eine Höhe von vier Metern erreicht, liefert sie im Vergleich zu Holz die vielfache Ernte an Fasern. So war sie bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Nutzpflanze, die weltweit am meisten angebaut wurde. Erst als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Baumwoll- und Holzlobbyisten mit einer Kampagne gegen Hanf die Pflanze in Verruf brachten, wurde Hanf aus der Medizin, der Papierherstellung und vielen anderen Industriezweigen verdrängt.

Hanf und heute

Mittlerweile beschäftigen sich Forscher wieder mit dem ursprünglichen Nutzen der Hanfpflanze und entdecken die guten Eigenschaften der Hanfpflanze wieder. So darf seit 1996 in Deutschland wieder Nutzhanf angebaut werden. Hanffasern werden zur Herstellung technischer Textilien wie Seile, Garne, Netze, Segeltücher, Planen und Teppichuntergewebe eingesetzt, aber auch für Freizeit- und Arbeitskleidung verwendet. Hanföl kann als Speiseöl oder in Margarine benutzt werde und ist ein Rohstoff bei der Herstellung technischer Produkte wie Ölfarben und Schmierstoff. Hanfblüten als Arzneimittel dürfen in Deutschland seit 2011 vertrieben werden. Die in der Pflanze enthaltenen Cannabinoiden kommen vor allem in der Schmerztherapie zum Einsatz. So hat sich der Cannabiswirkstoff gegen Beschwerden bei Chemotherapien, bei der Behandlung von Aids und zur Linderung von Spastik bei Multiple-Sklerose-Patienten bewährt.

Fazit:

Wer die vielfältige Pflanze auf die Nutzung zu medizinischen Zwecken oder als Rauschmittel reduziert, verkennt ihren eigentlichen Wert. So wurde die erste Gutenbergbibel auf Hanfpapier gedruckt, die erste Levi Strauss Jeans aus Hanffasern gefertigt: kaum eine andere Pflanze ist derart geschichtsträchtig.